Dieter Zorn & Uschi Kallus
Die Schlangen-Enzyklopädie der Reptiles-Show
Etwa 2700 Schlangenarten leben auf unserer Erde. Davon sind ungefähr 470 Arten giftig.

Kaum ein anderes Tier ist von unserer Lebensweise so entfernt, und so verschieden von unserer Anatomie wie die Schlange, obwohl Wirbeltier mit sämtlichen Organen wie wir.
Der wesentlichste Unterschied sind wohl die fehlenden Gliedmaßen (obwohl wir bei einigen alten Schlangenarten, z.B. Boas und Pythons, noch Reste früherer Hinterbeine, heute Aftersporen genannt, vorfinden).
Links: Skelett einer Viper. Rechts: Aftersporen eines Pythons
Auch die fehlenden Augenlieder verleihen der Schlange etwas Fremdartiges. Die meisten Schlangen können nur mäßig bis schlecht sehen, und alle Schlangen sind taub. Das wichtigste Sinnesorgan ist für sie das so genannte „Jacobsensche Organ“. Mit der Zunge nehmen Schlangen Duftstoffe auf und führen diese zum Jakobsonschen Organ. Unentbehrlich für Sie zum Auffinden von Futtertieren, Geschlechtspartnern, den bestmögliche Lebensraum (auch den zum Überwintern), aber auch als Alarmsignal vor Feinden, (Mensch und Tier) sowie Feuer Unwetter etc. Ihr Bauch reagiert sehr sensibel auf Bodenvibrationen und signalisiert, so auch das Erscheinen von Feinden. Bei der Familie „Crotalidae“ (Grubenottern) finden wir ein weiters Sinnesorgan, das so genannte Grubenorgan, welches als ein kleines Loch, zwischen Nase und Auge, sichtbar ist. Mit Diesem können Grubenottern Temperaturunterschiede bis zu 0,003°C wahrnehmen, und so auch bei völliger Dunkelheit das Vorkommen von Feinden und Beutetieren. Auch einige Riesenschlangen besitzen ein Gruberorgan in Form von Lippengruben, die sind allerdings weniger empfindlich.

Schlangen wachsen lebenslang und ihr Wachstum wird stark von Alter, Ernährung, Wärme und Licht beeinflusst. Da Schlangen, wie alle wechselwarme Tiere, zwar Wärme brauchen aber keine selber erzeugen können, ist leicht zu verstehen, dass in warmen Gegenden wesentlich mehr Schlangen vorkommen als in gemäßigten- oder gar kalten Regionen.



Ihr Vorkommen reicht im Norden bis zum 67.Breitengrad und im Süden bis zum 40.Breitengrad. Selbst in Höhenlagen über 4000 Meter leben noch einige Schlangenarten. Dies ist möglich weil Schlangen unterhalb einer gewissen Temperatur (je nach Art verschieden) in eine Art Winterschlaf halten. Im Gegensatz zu Warmblütern können Schlangen ihren Winterschlaf bei ansteigender Temperatur unterbrechen, und ihn bei fallenden Temperaturen fortsetzen. Deshalb reden wir bei Schlangen von „Winterruhe“. Arten aus Gegenden mit starken Temperaturunterschieden zwischen Sommer und Winter halten eine periodisch verlaufende Winterruhe und bereiten diese vor. (Nahrungseinstellung, Darmentleerung, Suche nach einem geeigneten Platz) Bei diesen Tieren ist eine Überwinterung bei herabgesetzten Temperaturen teilweise lebensnotwendig, zumindest aber zur Fortpflanzung unentbehrlich. Anderseits gibt es auch Arten (aus sehr warmen Gegenden) die eine Sommerruhe halten. Diese suchen in der heißesten Zeit einen kühlen, feuchten Platz auf.
Kreislauf und Stoffwechsel sind in der Ruhezeit stark herabgesetzt und dank der (in der Aktivzeit) angesammelten Fettvorräte im Bindegewebe können die Tiere einige Monate ohne Nahrung überleben. Die Temperatur kann während der Winterruhe bis an den Gefrierpunkt sinken. Andere Arten können extreme Hitze vertragen und überleben sogar ohne Wasser. Diese Schlangen leben von der Kondensfeuchtigkeit und dem Wassergehalt ihrer Beutetiere. Aber auch an andere Biotope haben sich Schlangen angepasst. Der stickige, feuchtwarme Dschungel, die extremen Temperaturunterschiede in der Wüste, die unterirdische Lebensweise der Wühl- und Erdschlangen und die Seeschlangen selbst sind einige Beweise ihrer Anpassungsfähigkeit. Dank Dieser sind Schlangen (mit Ausnahme der Polargebiete und einigen Inseln) fast in der ganzen Welt vertreten.
Schlangen fressen nur Schlangenfraß, weiß doch jeder, aber was ist Schlangenfraß??

Alle Schlangen sind ausschließlich Fleischfresser, und das Ernährungsspectrum der Schlangen ist, je nach Art, sehr verschieden. (Säugetiere, Vögel, Fische, Amphibien, Wirbellose)
Die Beute kann sehr groß sein. (bis zur Hälfte des eigenen Gewichts) Während Arten aus Wüsten und anderen nahrungsarmen Gegenden meist nicht sehr wählerisch sind, gibt es Schlangen die sich auf ein bestimmtes Beutetier spezialisiert haben und lieber verhungern als etwas anderes fressen. Manche Schlangen verweigern sogar ihre Lieblingsnahrung wenn sie nicht die richtige Farbe hat. Ein Beispiel ist da eine meiner Kornnattern, die, obwohl Nachzucht, nicht an weiße Mäuse zu gewöhnen war. Schwarze, braune, beige und sogar schwarzweiße Mäuse wurden von ihr mit Begeisterung gefressen. Andere Spezialisten sind z.B. Eierschlangen, die sich nur von Eiern ernähren und die Königskobra (Ophiophagus hannah) welche ausschließlich andere Schlangen frisst. Im Allgemeinen akzeptieren Schlangen nur lebende Beute die sie vor dem Verschlingen selber, z.B. durch Umschlingen oder Giftbiß, abtöten oder, wie einige kleine Nattern, lebendig verschlingen. Manche Schlangen, vor allen Dingen Fischfresser, kann man an tote Beutetiere gewöhnen. Das Erbeuten erfolgt auf verschiedene Weise. Während die meisten Nattern und Giftnattern Jäger sind die ihre Beute aufspüren, verfolgen und erlegen, suchen die meisten Vipern, Grubenottern und Riesenschlangen einen geeigneten Platz auf und warten geduldig bis ein Beutetier vorbei kommt. Das Zubeißen und Umschlingen (bei ungiftigen Schlangen) oder der Giftbiß erfolgt äußerst schnell und ist mit dem Auge kaum zu verfolgen. Viele Giftschlangen lassen ihre Beute (außer Vögel) nach dem Biss los, verfolgen deren Duftspur und warten auf ihren Tod. Alle Schlangen verschlingen ihre Beutetiere an einem Stück, dies ist möglich da ihre Ober- und Unterkiefer nicht fest miteinander verbunden sind und die Haut dazwischen sehr elastisch ist. Das Verschlingen erfolgt meist vom Kopf her und kann Stunden dauern. Während dieser Zeit ist die Schlange wehrlos, und deswegen fressen Schlangen nur wenn sie sich vollkommen sicher fühlen.

a.) Ein Netzpython beginnt, nachdem er ein Huhn durch umschlingen abgetötet hat, mit dem Verschlingen, und zwar vom Kopf her. Beachtet den unterschiedlichen Umfang der Tiere.
b.) Das schwierigste ist geschafft, die beiden separaten Unterkiefer sind ausgehangen. Die extrem elastische Haut ermöglicht nun dem Python sich langsam über seine Beute zu schieben.
c.) Durch kräftiges Umschlingen wird der Umfang des Huhns (besonders an den Flügeln) verringert.
d.) Nur die Füße des Huhns sind noch in Maul und Hals des Pythons
e.) Der Schlingvorgang, der normalerweise zwischen 15 Minuten und 3 Stunden dauert, ist beendet.
Die Verdauung ist Temperatur abhängig und dauert zwischen 3 und 8 Tage. Schlangen fressen, je nach Art, durchschnittlich, 2- bis 10-mal im Monat Eine gut genährte Schlange kann mehrere Monate ohne Nahrung auskommen.
Schlangen sind, außer zur Paarung, Einzelgänger. Findet man trotzdem viele Schlangen an einem Ort, ist dies vielleicht der einzige Ort in der Umgebung der zum Verstecken oder Überwintern geeignet ist. Sie zeigen jedoch kein soziales Verhalten. Die meisten Schlangenarten paaren im Frühjahr Einige Arten der kühleren Regionen, wie zum Beispiel die europäische Kreuzotter (Vipera berus), paaren sich jedoch im Herbst da die warme Periode zu kurz für die Entwicklung der Eier ist, und sie somit im Mutterleib überwintern. Schlangen erkennen ihren Geschlechtspartner am Geruch, wobei das Jakobsonsche Organ (Geruchsorgan im oberen Gaumenbereich) eine große Rolle spielt. Äußere Erkennungsmerkmale der verschiedenen Geschlechter sind eher selten und auch nicht wichtig, da die meisten Schlangen kein gutes Sehvermögen besitzen. In einigen Fällen gibt es jedoch Unterschiede in der Färbung (z.B. Kreuzotter) oder Größe. Allgemein haben Männchen einen längeren Schwanz als Weibchen. Riesenschlangen hingegen besitzen noch ein weiteres Erkennungsmerkmal, die so genannten Afterklauen beiderseits de Kloake sind beim Männchen meist dreimal länger sind als beim Weibchen.
Kobras bei der Paarung
Video von einer Klapperschlangen-Paarung
Viele Schlangen balzen, und einige Männchen kämpfen miteinander, bis das der Schwächere flieht. Dieser so genannte Komentkampf führt jedoch nie zum Tod und man weis nicht genau ob es dabei um die Verteidigung eines Territoriums, oder um Rivalität bei der Paarung geht. Jedenfalls findet hier eine Kommunikation zwischen Tieren statt, die nicht viele Ausdrucksmöglichkeiten haben.
Wassermokassinottern beim Komentkampf
Das Geschlechtsorgan

Schlangenmännchen haben ein doppeltes Geschlechtsorgan, die so genannten Hemipenisse. Die haben keinen geschlossenen Spermakanal, nur eine Spermarinne. Die Paarung findet im Inneren der weiblichen Kloake statt und kann mehrere Tage dauern. nach der Erektion fließen die Spermatozoiden in einen speziellen Beutel des Weibchens wo sie einige Wochen, Monate, und sogar bis zu fünf Jahren, konserviert werden können. So kann Paarung und Befruchtung getrennt vor sich gehen. Der Grund für die Verzögerung der Befruchtung ist noch nicht genau bekannt, man nimmt jedoch an, dass dies auf Umweltbedingungen zurückzuführen ist, wie zum Beispiel Klima oder Nahrungsangebot Schlangen sind entweder:
OVIPAR (die Eier entwickeln sich außerhalb des mütterlichen Organismus; z.B.: Pythons und die meisten Nattern); oder sie sind:
OVOVIVIPAR (Die Eier entwickeln sich vollständig im mütterlichen Organismus, bis zum schlüpfen; z.B.: Boas und einige Vipern). Die Entwicklung der Embryos hängt stark von der Außentemperatur ab (Energie), z.B. eine ovovivipare Strumpfbandnatter, trug ihre Jungen in einem sehr heißen Sommer 87 Tage und im einem sehr kühlen Sommer 116 Tage. Die Anzahl der Jungen beziehungsweise der Eier hängt vor allem von der Größe des Weibchens ab, denn Schlangen wachsen ja ihr Leben lang. Das heißt aber nicht, dass große Arten sich zahlreicher vermehren als kleine Arten. Die große Anakonda zum Beispiel gebärt bis zu 40 Junge. Eine Puffotter von 1,10 m Länge brachte in einem Zoo der UdSSR 157 Junge zur Welt.

Gewöhnlich betreiben Schlangen keine Brutpflege, Einige scheinen sich nicht einmal besonders um einen Legeplatz zu kümmern. Für die Ernährung ihrer Nachkommen sorgen sie nie. Es gibt jedoch Ausnahmen: einige Klappershlangenbabys bleiben einige Zeit in der Nähe der Mutter die sie bei Gefahr aggressiv verteidigt. Einige Schlangen bewachen ihr Gelege wie zum Beispiel die Königskobra. Sie baut sogar ein Nest mit zwei Etagen: unten für die Eier, oben zum Aufenthalt. Pythonweibchen wickeln sich für praktisch die ganze Entwicklungadauer, also ungefähr zweieinhalb Monate, um ihre Eier. Sie verlassen sie nur zum Trinken, eventuell auch zum Fressen oder Häuten. Eine erstaunliche Entdeckung machte man bei Tigerpythonweibchen: man stellte eine Temeraturerhöhung im Innern des Nestes von 6 bis 8°C fest. Eine sonderbare Entdeckung da Schlangen doch Kaltblüter sind und gar keine eigene Körpertemperatur haben. Dieses Phänomen ist noch nicht mit Sicherheit erklärt, wohl aber auf ein krampfartiges regelmäßiges Anspannen der Muskeln zurückzuführen
Alle Schlangen häuten sich in regelmäßigen Abständen (etwa 2- bis 8-mal im Jahr) Die Haut ist trocken, schuppig und besteht aus 3 Lagen. Die Innerste, in ihr befinden sich die Pigmentzellen, ist die dickste. Die Mittlere ist sehr dünn, ihre Zellen wachsen ständig und werden nach außen abgestoßen. Dort verhornen sie und bilden die 3. Schicht. Zwischen der mittleren und der äußeren Hautschicht bildet sich dann eine Flüssigkeit die der Schlange kurzzeitig ein milchiges Aussehen verleiht, kurze Zeit später streift das Tier, die durch die Flüssigkeit gelöste, obere Hautschicht (auch die Augen) ab.
Dies erleichtert das Wachstum ist aber auch zur Entgiftung der Haut und zum entledigen von Parasiten notwendig.

Meistens löst sich die alte Haut zuerst an den Lippen und faltet auf.
Bein Rauskrichen wendet sich die Häutung dann auf links und bleibt oft in einem Stück erhalten.

Um sich der vielen Feinde zu erwehren, sind Schlangen auf verschiedenster Weise bewaffnet. Der beste Schutz für sie ist ihre versteckte Lebensweise. Alle Schlangen sind Fluchttiere und benutzen ihre Sinnesorgane als Alarm um sich beim Annähern eines Feindes schnell zu verstecken. So kann es; dass wir selbst ein einer schlangenreichen Gegend keine Schlangen zu Gesicht bekommen. Unsere Witterung, Wärmeausstrahlung (für Grubenottern) und die Bodenvibrationen die wir bei gehen verursachen vertreiben die Tiere in ihre Verstecke. Der Hauptgrund dieser Lebensweise liegt wohl darin, das alle Schlangen und seien sie noch so gefürchtet, relativ hilflos sind. Selbst Giftschlangen sind, da ihr Gift nicht sofort wirkt, körperlich stärkeren Feinden unterlegen. Dass der Feind anschließend auch stirbt dürfte die Schlange kaum interessieren. Aus gleichem Grund ist auch das Drohverhalten, das alle Schlangen auf verschiedenster Weise an sich haben, eine der wichtigsten Waffen.
Falls keine Fluchtmöglichkeit besteht erheben die meisten Schlangen den Kopf in Richtung Feind und zischen Diesen mit lang herausstehender Zunge an. Ist der Feind nicht beeindruckt folgen Scheinbisse (oft mit geschlossenem Maul) oder bei aggressiveren Arten wirkliche Bisse.
Einige wüstenbewohnende Schlangen z.B. die Hornviper (Cerastes cerastes) reiben ihren raubeschuppten Körper aneinander und erzeugen so ein dem Zischen sehr ähnliches Geräusch. Das klappern der Klapperschlange ist ebenfalls ein Warnzeichen. Bei der geringsten Störung nehmen diese Tiere ihre bekannte Drohstellung ein und vibrieren mit dem klapperbestückten Schwanz, welcher ein furchterregendes Geräusch erzeugt. Aus dieser Stellung können sie dann mit einer Geschwindigkeit zustoßen, die man mit dem Auge nicht mehr verfolgen kann.
Verteidigungsstellungen von Kobra, Klapperschlange und Erzspitznatter
Ebenso bekannt ist das Aufrichten und Halsspreizen der Kobras. Durch spreizen der Halswirbel verbreitet sich die Halsregion, der deswegen auch Hutschlangen genannten Tiere, um das Dreifache. Einige Arten z.B. die Brillenschlange (Naja naja) haben sogar eine Zeichnung die an ein Gesicht erinnert. Dies lässt sie wesentlich beachtlicher erscheinen. Manche Kobras können ihr Gift auch gezielt (meist in die Augen) verspritzen, was ein starkes Brennen der Augen zur Folge hat und wenn nicht schnell ausgewaschen (zur Not mit dem eigenen Urin) zur Erblindung führen kann. Auf der Haut, sofern keine offe Verletzung vorliegt, hat das Gift keine Wirkung. Die Schwarze Mamba reißt bei Erregung ihr Maul weit auf so dass man das schwarze Innere sehen kann, was ihr den Nahmen „Schwarze Mamba“ eingebracht hat obwohl sie eigentlich olivgrün ist. Zahlreiche Nattern stoßen bei Gefahr ein übel riechendes Aftersekret ab, und verderben damit einigen Feinden den Appetit. Viele harmlose Schlangen imitieren Drohverhalten von gefährlichen Schlangen. So vibrieren einige Nattern mit dem Schwanz gegen Laub und erzeugen damit ein ähnliches Geräusch wie die Klapperschlange. Andere Schlangen z.B. die Spitzkopfnatter blähen ihren Hals auf und imitieren damit eine Kobra. Die Erzspitznatter warnt wie die Mamba mit aufgerissenem Maul. Auch wird sich z.B. eine Ratte, die den Biss einer Korallenschlange (Micrurus) überlebt hat, hüten eine ähnlich aussehende Königsnatter (Lampropeltis) anzugreifen. Zu erwähnen bleiben noch Schlangen die sich bei Gefahr tot stellen oder zu einem Ball zusammenrollen wie z.B. der Königspython
Die einzige für uns Menschen lebensgefährliche Waffe (mit Ausnahme der enormen Kraft großer Riesenschlangen) ist das Gift der Giftschlangen.

Die Giftdrüsen giftiger Schlangen sind weiterentwickelte Speicheldrüsen. Das in ihnen produzierte Gift dient nicht nur zum töten der Beute, sondern, ähnlich wie auch unser Speichel, als Verdauungshilfe. Mit den Giftdrüsen entwickelten sich auch spezielle Zähne zum injizieren des Gifts. Schlangengift besteht aus Substanzen die das Nervensystem des Opfers schädigen, (Neurotoxisch) und aus solchen die Blut und Gewebe zerstören. (Hematoxisch) Schlangengift wirkt beim Menschen, je nach Art der Schlange und der abgegebenen Menge, von schwach (z.B. der Biss einer Wiesenotter) bis annähernd 100% tödlich. (z.B. Biss einer Schwarzen Mamba)
Das Gift von Vipern und Grubenottern ist überwiegend hematoxisch, und muss, um schnell in den Blutkreislauf zu gelangen, tief ins Opfer injiziert werden. Deswegen haben Vipern und Grubenottern lange Giftzähne, die sie einklappen müssen um ihr Maul schließen zu können. Die Wissenschaft nennt sie Solenoglyphen.
Das Gift der Giftnattern (z.B. Kobras, Mambas, Korallenschlangen) und Seeschlangen ist hauptsächlich neurotoxisch. Da das Gift dieser Schlangen (Proteroglyphen) schon in geringen Mengen, und beim geringsten Kontakt mit dem Nervensystem (übers Blut) des Opfers wirkt, reichen ihnen kleine, feststehende Giftzähne.
Bei Trugnattern (Opistoglyphen) befinden sich die Giftzähne hinten im Maul. Sie helfen beim Abtöten der Beute während des Verschlingvorgangs, und gleichzeitig erleichtert das verabreichte Gift die Verdauung.

So wie wir unseren Speichel, produzieren Giftschlangen ständig neues Gift. Sie sind in der Lage die abzugebende Menge zu dosieren. So wird oft bei einem Verteidigungs-Biss nur wenig oder sogar überhaupt kein Gift abgegeben. Ein großes Beutetier wird aber meist mit viel Gift getötet, um die Verdauung zu erleichtern. Einige Giftschlangen können ihr Gift auch dem Gegner entgegen spucken. Das ist aber nur Gefährlich wenn offene Wunden oder die Augen getroffen werden. Auf der Haut selber ist das Gift wirkungslos. In den Augen kann es aber schwere Schädigungen verursachen, die sogar zum erblinden führen, wenn es nicht sofort (zur Not mit dem eigenen Urin) ausgewaschen wird.
Gift der Viperidae und Crotlidae: Es provoziert starke Schmerzen an der Bißstelle, sowie enorme Schwellungen und Wasseransammlung in den Lymphgefäßen. Der gebissene Körperteil färbt sich zunächst rot, dann blau und schließlich grün bis gelb. Blut dringt in das Körpergewebe. Das Gift zerstört das Blut, die weißen Blutkörperchen platzen und eine Nekrose entsteht die eine Amputation erforderlich machen kann. Das Blut verliert die Fähigkeit zur Gerinnung, oder im Gegenteil gerinnt übermäßig. In manchen Fällen treten starke Blutungen auf, wie Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder Blutungen der Gedärme, wobei dann Blut gespukt wird. Nach einiger Zeit erhöht sich der Pulsschlag und starke Kreislaufstörungen treten auf. Die Körpertemperatur sinkt zunächst, gefolgt von Fieber. Normalerweise tritt des Tod durch Kreislaufversagen (Kollaps) oder inneren Blutungen ein. Sollte das Opfer überleben, bleiben häufig Organschäden sowie eine Lähmung des gebissenen Körperteils
Gift der Elapiden und Hydrophiiden: Die Bißstelle selbst schmerzt wenig und verändert sich kaum. Allerdings wirkt das Gift schnell und folgende Symptome treten auf: Müdigkeit, große Schwäche, Senkung des Blutdrucks, Sehstörungen, starker Speichelfluß, Lähmungen, Atmungsbeschwerden die bis zur Erstickung führen. Der Tod kann schon nach wenigen Minuten eintreten, häufig aber erst nach ungefähr acht Stunden. Hat das Opfer vierundzwanzig Stunden überstanden, überlebt es normalerweise ohne weitere große Schäden.