Dieter Zorn & Uschi Kallus

 

Vipère à cils
(Bothriechis)
(Crotalinae)

 

Die Palm-Lanzenottern wurden bis vor kurzem noch zu den Amerikanischen Lanzenottern gezählt, doch auch sie wurden Opfer des Umbenennungswahnsinns, und so wurden aus einigen Bothrops Arten nun Bothriechis.
Sie gehören zu den Grubenottern und besitzen so das typische wärmeempfindliche Grubenorgan. (allgemeine Angaben zu Grubenottern finden Sie im Kapitel:
"Die Schlangen-Enzyklopädie der Reptiles-Show")
Die 8 „neuen“ Arten; Bothriechis aurifer, Bothriechis bicolor, Bothriechis lateralis, Bothriechis marchi, Bothriechis nigroviridis, Bothriechis rowleyi, Bothriechis schlegelii und Bothriechis thalassinus leben von Mexiko südlich bis Kolumbien und Venezuela.
Doch kaum geschrieben, wird schon wieder um die Umbenennung einiger Arten gestritten.
(Na, vom Schuppenzählen bis zur molekularen Gentechnologie war es ein weiter Weg, bei dem sich die „Wissenschaftler“ bisher nur selber in den Schatten stellten. So bleibt uns nur noch ein paar Umbenennungswellen abzuwarten, oder ganz einfach deutsche Nahmen zu benutzen. Was mir persönlich auch lieber ist, denn schließlich schreibe ich über Tiere, und nicht über Krankheiten)
Obwohl die neuen Palmlanzenotterarten zurzeit als selbstständige Arten anerkannt sind, betrachte ich sie eher als Unterarten, oder bestenfalls Schwesterarten der Greifschwanz-Lanzenotter (Bothriechis schlegelii)

Eine Greifschwanz-Lanzenotter in typischer Position, ihr kräftiger Schwanz umschlingt einen Ast, damit sie beim Zustoßen auf ein Beutetier oder einen Feind (wozu sie immer bereit ist) nicht vom Baum fällt.

 

Die Greifschwanz-Lanzenotter ist fast im ganzen Verbreitungsgebiet der Palmlanzenottern anzutreffen, zumindest in den tieferen Lagen. Sie die einzige Art die auch unterhalb von 500m anzutreffen ist. Die Biotope der Zweifarbigen Palmlanzenotter (Bothriechis bicolor) befinden sich zwischen 500 bis 2000m Höhe, und die Lebensräume der Gelbgefleckte Palmlanzenotter (Bothriechis aurifer), der Grüngelben Palmlanzenotter (Bothriechis lateralis) und der Schwarzgefleckten Palmlanzenotter (Bothriechis nigroviridis) liegen weit über 1000m, und reichen sogar bis an die 2400m.
Alle Arten sind Baumbewohner und haben einen kräftigen Greifschwanz mit dem sie sich im Geäst von niedrigen Bäumen und Sträuchern in tropischen Regenwäldern fest verankern. Sie besitzen den Lanzenottern-typischen stark abgesetzten, dreieckigen Kopf, mit dem sie, Dank ihrer schlanken Körper, blitzschnell zustoßen können.
Sie verfügen über ein sehr starkes Mischgift das hauptsächlich Gewebe zerstört, aber auch das Nervensystem ihrer Opfer schädigt. Viele Unfälle führten beim Menschen zu schweren Nekrosen die oft Amputationen nötig machten. Da die Bisse wegen ihrer Lebensweise oft in Kopf und Hals geschehen, sind auch einige Todesfälle bekannt.
Doch da sie bei Verteidigungsbissen meist nur wenig Gift abgeben, bleibt es auch oft bei starken Schwellungen und Blutungen an Schleimhäuten. (die von den Blutgerinnungsstörenden Anteilen ihres Gifts verursacht werden, welche in schwereren Fällen zu einem hämorrhagischen Schock führen können)
Durchschnittlich werden sie 60-80cm lang, bleiben aber oft auch viel kleiner, und nur selten erreichen sie eine Länge von einem Meter.
Wie viele meisten Bewohner Tropischer Regenwälder haben sie, wegen des gleich bleibenden Klimas, weder Sommer- noch Winterruhezeiten, und so auch keine feste Paarungszeit.
Sie sind lebendgebärend (Ovoviviparie) und bringen, nach einer Tragezeit von ca.18 Wochen, in Verstecken auf dem Erdboden, bis zu 20 Junge auf die Welt.
Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Echsen, Fröschen und kleinen Vögeln. Mäuse klettern nur selten ins Gebüsch, werden von den größeren Exemplaren aber auch gerne verspeist.

In Färbung und Zeichnung sind Greifschwanz-Lanzenottern so variabel, dass eine Aufzählung eher verwirren würde.
Auffallend sind ihre großen Augen mit den senkrecht geschlitzten Pupillen, aber besonders die aufragenden Schuppen darüber.

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Oft haben Greifschwanz-Lanzenottern auch eine grünliche Färbung, was sie wesentlich bunter macht, bis hin zu kunterbunten Exemplaren.

Aber eine so leuchtend grüne Färbung wie die folgend abgebildete Meerblaue- Palmenlanzenotter (Bothriechis thalassinus) aus Guatemala und Honduras haben sie nie.


Diese Tiere haben oft eine türkise Färbung die an eine Lagune erinnert, daher ihr Name. Bei dem oben gezeigtem Exemplar haben nur die Streifen hinter den Augen, und die Ränder einiger Schuppen diese Färbung.

Palmlanzenottern werden oft privat gehalten, doch ich kann ihre Haltung nur erfahrenden Pflegern empfehlen, denn wenn sie sich gestört fühlen stoßen sie ohne Vorwarnung blitzschnell zu, selbst bei Tieren die an Menschen gewöhnt sehr zahm werden muss immer mit einem unerwarteten Biss gerechnet werden. (Tierhändler die diese Tiere als schwachgiftig bezeichnen haben keine Ahnung, oder nehmen aus Geldgier in kauf, dass sich ihre Kunden dadurch aus Unwissenheit in eine für sie schwer einzuschätzenden Gefahr begeben.)
Außerdem ist die Haltung (wie die aller Tropen-Tiere) kostenintensiv und aufwendig.
Wer sich das nötige tägliche mehrmalige Besprühen ersparen will braucht ein Dschungel- oder Feucht-Terrarium.
Tropen-Terrarien können wahre Schmuckstücke sein, so kann ich verstehen dass viele Menschen davon träumen. Doch sollten besonders Anfänger ihre Erfahrungen damit zuerst mal mit ungefährlichen Tieren sammeln, denn das richtige Klima, und die notwendige Bepflanzung zu schaffen wird sie auch ohne Gefahr ausreichend fordern.
Für Interessierte habe ich in meinem Forum eine Bauanleitung für ein Feucht-Terrarium veröffentlicht. Hier der Link:
Die Hilfe & Info Seite für Reptilien, Vogelspinnen & Skorpione